Bechertest für die Bewässerung: Gleichmäßigkeit messen und die echte Niederschlagsrate jedes Kreises bestimmen
Mit 15 bis 20 gleichen Bechern messen, wie gleichmäßig ein Kreis beregnet (DU), und wie viele Millimeter pro Stunde er wirklich bringt. Mit den Richtwerten für Sprühdüsen und Getrieberegner, den typischen Mustern und der Umrechnung in Minuten.
Warum man Gleichmäßigkeit nicht sieht
Eine Anlage kann tadellos aussehen: Alle Regner drehen, nichts leckt. Trotzdem bekommen manche Stellen ein Drittel weniger Wasser als andere. Sie vertrocknen langsam, und die Ursache wird bei Krankheiten oder Nährstoffmangel gesucht statt bei der Verteilung.
Der Bechertest macht die Verteilung messbar. Er dauert 20 bis 30 Minuten, kostet praktisch nichts und liefert zwei Zahlen: die Gleichmäßigkeit (DU, englisch Distribution Uniformity) und die tatsächliche Niederschlagsrate des Kreises in Millimetern pro Stunde. Die zweite Zahl nutzen die wenigsten, obwohl sie die Laufzeiten am Steuergerät erst richtig macht.
Material und Aufstellung
15 bis 20 gleiche Becher mit möglichst geraden Wänden, zum Beispiel Trinkbecher oder gleiche Dosen. Sie müssen wirklich gleich sein, sonst misst man Unterschiede der Becher statt der Regner. Dazu ein Lineal, ein Stift zum Nummerieren, eine Uhr und, wenn die Wände schräg sind, ein Messbecher.
Die Becher im Raster über den ganzen Kreis verteilen, bei Sprühdüsen etwa alle 1 bis 1,5 m, bei Getrieberegnern alle 1,5 bis 2 m, mit mindestens drei oder vier Bechern zwischen zwei Nachbarregnern. Nicht direkt neben einen Regner stellen. Gemessen wird bei Windstille, am besten früh am Morgen: Bei Wind und Hitze verfälscht der Test das Ergebnis.
Durchführung
Den Kreis eine feste Zeit laufen lassen, 15 bis 20 Minuten bei Sprühdüsen, bei Getrieberegnern länger, damit genug in den Bechern steht. Danach sofort messen und notieren: Becher-Nummer, Millimeter. Ein Foto des Rasters hilft beim Vergleich mit späteren Tests. Umgefallene Becher fallen aus der Rechnung heraus.
Bei schrägen Bechern den Inhalt mit dem Messbecher bestimmen und umrechnen: Millimeter = Milliliter × 10 ÷ Öffnungsfläche in cm². Ein Becher mit 7 cm Öffnungsdurchmesser hat rund 38,5 cm²; 20 ml entsprechen damit rund 5,2 mm.
DU berechnen und bewerten
Erst den Mittelwert aller Becher bilden, dann den Mittelwert des untersten Viertels: Werte sortieren, das Viertel mit den niedrigsten Werten mitteln. DU = Mittelwert unteres Viertel ÷ Gesamtmittelwert × 100. Beispiel: Gesamtmittel 11 mm, unteres Viertel 8,5 mm, DU = 77 Prozent.
Was ein guter Wert ist, hängt vom Regnertyp ab: Sprühdüsen verteilen auf kurze Distanz von Natur aus ungleichmäßiger als Getrieberegner. Die Richtwerte der Irrigation Association:
| Bewertung | Sprühdüsen | Getrieberegner |
|---|---|---|
| ausgezeichnet | 75 % | 80 % |
| sehr gut | 65 % | 70 % |
| gut | 55 % | 65 % |
| mäßig | 50 % | 60 % |
| schlecht | 40 % | 50 % |
Vom Test zu den Minuten: die echte Niederschlagsrate
Dieselben Becher sagen, wie viele Millimeter der Kreis pro Stunde bringt: Mittelwert in mm ÷ Testminuten × 60. Stehen nach 20 Minuten im Mittel 11 mm in den Bechern, bringt der Kreis 33 mm pro Stunde, typisch für feste Sprühdüsen; Getrieberegner liegen meist bei 8 bis 15 mm/h. Damit ergibt sich die Laufzeit direkt: Bedarf des Tages in mm ÷ Niederschlagsrate × 60. Für 5 mm bei 33 mm/h sind das rund 9 Minuten.
Eine übliche Näherung, um die Ungleichmäßigkeit auszugleichen, ist, zusätzlich durch die DU zu teilen: Bei 75 Prozent werden aus 9 Minuten 12. Das ist der Preis einer schlechten Verteilung, und er wird jeden Tag bezahlt. Ob der Boden diese Millimeter pro Stunde aufnimmt, zeigt der Vergleich mit /deWie lange bewässern? Minuten pro Lauf nach Bodenart und Regnertyp, mit Fingerprobe und Tabelle; auf Ton läuft ein Kreis mit 33 mm/h nach wenigen Minuten ab.
Typische Muster und ihre Ursache
- Niedrige Werte rund um einen einzelnen Regner: verstopfte Düse oder Sieb, Regner fährt nicht ganz aus, Sektor falsch eingestellt.
- Niedrige Werte entlang einer ganzen Seite: Abstand zwischen den Regnern zu groß, die Strahlen erreichen die Nachbarköpfe nicht.
- Werte, die vom Ventil zum Ende des Kreises hin abnehmen: Druckabfall durch zu viele Regner oder zu dünne Rohre, siehe /dePlanungsfehler bei der Bewässerungsanlage: die 7 Fehler, die man erst im August sieht.
- Viel zu hohe Werte in den Ecken und an den Seiten, wenig in der Mitte, bei Getrieberegnern: überall dieselbe Düse. Ein Getrieberegner verteilt die Düsenmenge auf seinen Sektor; mit derselben Düse bekommt die Ecke (90°) viermal so viel pro m² wie ein Vollkreis. Abhilfe: Düsen nach Sektor wählen, halbe Größe für Halbkreise, ein Viertel für Ecken.
- Bei Sprühdüsen mit gemischten Düsenserien: Düsen mit abgestimmter Niederschlagsrate (MPR) innerhalb eines Kreises verwenden. Wie man Düsen auswählt: /deDüsen für die Rasenbewässerung auswählen: MPR, VAN, MP Rotator, und was beim Gardena-Sprinklersystem anders ist.
Vorher, nachher, und was sich verbessern lässt
Ohne Vorher-Werte weiß man nicht, ob eine Korrektur etwas gebracht hat. Position, Millimeter, Datum und Wetter in eine einfache Tabelle schreiben, korrigieren (Düse reinigen oder tauschen, Regner versetzen oder ergänzen, Kreis aufteilen) und den Test unter denselben Bedingungen wiederholen.
Warum sich das lohnt: Eine Anlage mit schlechter Gleichmäßigkeit muss überall mehr bringen, damit die trockensten Stellen genug bekommen. Jeder Punkt DU, der gewonnen wird, ist Wasser, das danach jeden Sommer nicht mehr verbraucht wird, und bei Trink- und Abwassergebühr von zusammen rund 4,77 € je Kubikmeter auch Geld.
Häufige Fragen
Welcher DU-Wert ist gut?
Das hängt vom Regnertyp ab. Nach den Richtwerten der Irrigation Association gilt für Sprühdüsen 75 Prozent als ausgezeichnet, 65 als sehr gut und 55 als gut; für Getrieberegner 80, 70 und 65 Prozent. Darunter muss der ganze Kreis zu viel bekommen, damit die trockensten Stellen genug haben.
Wie rechnet man Becher-Milliliter in Millimeter um?
Millimeter = Milliliter × 10 ÷ Öffnungsfläche in cm². Ein Becher mit 7 cm Öffnung hat rund 38,5 cm²; 20 ml darin entsprechen rund 5,2 mm. Bei geraden Wänden reicht ein Lineal.
Wann sollte man den Bechertest machen?
Nach dem Bau und dem ersten Einstellen, nach jedem Düsenwechsel, wenn ohne erkennbaren Grund gelbe Flecken auftauchen, und alle zwei bis drei Jahre zur Kontrolle.
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Technischer Hinweis: Die DU-Richtwerte nach Regnertyp stammen aus den Unterlagen der Irrigation Association für die Bewertung von Beregnungsanlagen (Verteilungsgleichmäßigkeit des unteren Viertels, DU_LQ). Der Test misst unter den Bedingungen des Tages: Wind, Druck und Verdunstung beeinflussen das Ergebnis, deshalb bei Windstille und immer gleich messen.