Bewässerungsanlage winterfest machen: entleeren, ausblasen, Pumpe und Gartenwasserzähler schützen
Wann und wie man eine Bewässerungsanlage vor dem Frost entleert: Schwerkraft oder Ausblasen mit dem Kompressor (nie über 3,5 bar), was mit Versenkregnern, Steuergerät, Hauswasserwerk, Zisternenpumpe und Gartenwasserzähler passiert, und wie man im Frühjahr wieder startet.
Warum Frost in der Anlage so teuer wird
Wasser braucht als Eis rund 9 Prozent mehr Platz. In einem vollen Rohr, einem Magnetventil oder einem Regnergehäuse ist dieser Platz nicht vorhanden: Formteile reißen, Ventilkörper platzen, Regnergehäuse bekommen Haarrisse. Gesehen wird der Schaden meist erst im Frühjahr, wenn beim ersten Lauf eine Fontäne aus dem Rasen steigt oder ein Kreis keinen Druck aufbaut.
Die Leitungen einer Bewässerungsanlage liegen in der Regel 20 bis 30 cm tief, nicht in frostfreier Tiefe von 80 cm und mehr; das ist üblich und richtig, solange sie vor dem Winter leer sind. Am gefährdetsten sind die Teile über und knapp unter der Oberfläche: Außenhahn, Filter, Rückflussverhinderer, Ventilkasten, Pumpe und der Gartenwasserzähler.
Wann: vor dem ersten Frost
In weiten Teilen Deutschlands kann der erste Frost im Oktober kommen, in Mittelgebirgslagen und im Alpenvorland früher, am Rhein und an der Küste oft später. Ein, zwei leichte Nachtfröste überstehen eingegrabene Leitungen meist; ein Hahn oder ein Filter an der Hauswand nicht. Weil der Rasen im Oktober kaum noch Wasser braucht, ist es sinnvoll, die Anlage schon Anfang des Monats stillzulegen und nicht auf die Wettervorhersage zu warten.
Schritt 1: Wasser abstellen und das Steuergerät in den Regenmodus
Zuerst die Absperrung der Bewässerung schließen, bei einer Gartenleitung mit frostsicherer Außenarmatur deren Innenabsperrung im Haus. Das Steuergerät stellt man in den Regenmodus oder auf Aus; so bleiben die Programme gespeichert, und es öffnet kein Ventil in eine leere Anlage. Wer die Programme sicher haben will, fotografiert sie vorher.
Wird die Anlage von einer Pumpe versorgt, die über ein Hauptventil oder ein Pumpenstartrelais am Steuergerät hängt, wird diese Verbindung getrennt, damit die Pumpe im Winter nicht anläuft.
Schritt 2a: Entleeren über Ventile und Schwerkraft
Wurde die Anlage mit Gefälle zu Entleerungsventilen an den Tiefpunkten gebaut, reicht die Schwerkraft. Nach dem Absperren jeden Kreis kurz am Steuergerät oder von Hand öffnen, um den Druck abzubauen, dann die Entleerungsventile öffnen und das Wasser auslaufen lassen. Die Ventile bleiben über den Winter offen.
Automatische Entleerungsventile öffnen bei jedem Druckabfall von selbst. Das ist bequem, hat aber zwei Haken: Sie lassen nach jedem Lauf etwas Wasser in den Boden, und sie werden mit der Zeit durch Sand undicht oder klemmen. Ob eine Anlage mit Automatikventilen wirklich leer ist, prüft man deshalb lieber einmal mit dem Kompressor.
Schritt 2b: Ausblasen mit dem Kompressor
Ohne Gefälle und Entleerungsventile, also bei den meisten Anlagen, die wir sehen, bleibt nur das Ausblasen. Entscheidend ist die Luftmenge, nicht der Tank: Der Kompressor sollte 200 bis 400 Liter pro Minute liefern. Ein kleiner Heimwerkerkompressor drückt das Wasser nur ein Stück weit und schäumt es auf, statt die Leitung leer zu blasen. Viele Bewässerungsfachhändler verleihen passende Geräte oder bieten das Ausblasen als Dienstleistung an.
Angeschlossen wird an einem Anschluss hinter der Absperrung und hinter dem Rückflussverhinderer, nie durch eine Pumpe, einen Zähler oder einen Filter hindurch. Dann gilt immer: zuerst einen Kreis öffnen, dann langsam Luft geben, nie gegen geschlossene Ventile. Den Druck auf höchstens 3,5 bar begrenzen, und nicht über das hinaus, was die schwächste Komponente verträgt. Mit dem Kreis beginnen, der am höchsten und am weitesten entfernt liegt, und jeden Kreis laufen lassen, bis aus den Regnern nur noch Sprühnebel kommt; das dauert oft zwei Minuten und länger. Danach jeden Kreis ein zweites Mal kurz ausblasen.
Getrieberegner nicht minutenlang mit trockener Luft drehen lassen: Das Getriebe wird normalerweise vom Wasser gekühlt. Tropfleitungen öffnet man an den Endstopfen, damit die Luft durchziehen kann. Während des Ausblasens Schutzbrille tragen und sich nie über einen Regner beugen.
Schritt 3: was über der Erde liegt
- Außenhahn: Eine frostsichere Außenarmatur entleert sich selbst, wenn sie innen abgesperrt wird. Ein gewöhnlicher Hahn wird innen abgesperrt und außen offen gelassen.
- Filter und Rückflussverhinderer: entleeren, Filtereinsatz herausnehmen und reinigen; oberirdische Teile mit Isolierschlauch schützen, ohne Entlüftungen und Abläufe zu verschließen.
- Gartenwasserzähler: Ein Zähler, der im Freien oder in einem nicht frostsicheren Schacht sitzt, muss entleert oder ausgebaut werden, je nach Vorgabe der Gemeinde. Ein geplatzter Zähler ist teuer und unterbricht den Nachweis für die Abwassergebühr.
- Hauswasserwerk und Gartenpumpe: entleeren (Ablassschraube), frostfrei lagern. Eine Tauchpumpe in der Zisterne kann meist im Wasser bleiben, wenn sie unter der Frostgrenze hängt; ihre Druckleitung muss leer sein.
- Steuergerät: Innengeräte bleiben, wo sie sind. Außengeräte im Kasten gegen Feuchtigkeit schützen; Batterien in Funk- oder Batteriesteuerungen herausnehmen, damit sie nicht auslaufen.
Versenkregner und Ventilkasten
Versenkregner bleiben im Boden. Mit dem Ausblasen sind ihre Gehäuse weitgehend leer, und ein kleiner Rest an Wasser schadet einem gut eingebauten Regner auf Kiesbett in aller Regel nicht. Regner, die über die Rasenkante herausstehen, sind ohnehin gefährdet, vom Frost und vom Mäher; sie werden im Frühjahr auf die richtige Höhe gesetzt.
Den Ventilkasten öffnen, die Magnetventile mit kurzem Öffnen des Durchflussreglers oder der Entlüftungsschraube entleeren und den Deckel wieder schließen. Ein Kasten, in dem Wasser steht, ist ein Hinweis auf fehlenden Kiesuntergrund oder ein Leck und sollte im Frühjahr geprüft werden.
Im Frühjahr: wieder in Betrieb nehmen
Nach den letzten stärkeren Frösten, je nach Region im April, alles in umgekehrter Reihenfolge: Entleerungsventile schließen, Filtereinsätze und Pumpe wieder einbauen, Gartenwasserzähler einsetzen. Dann die Absperrung langsam öffnen, über eine halbe bis eine Minute, nicht schlagartig: Ein schneller Wasserschlag belastet Formteile und Ventile. Die Luft entweicht über die Regner des ersten Kreises.
Jeden Kreis einzeln einige Minuten laufen lassen und prüfen, ob alle Regner ausfahren, drehen und wieder einfahren, und ob irgendwo eine nasse Stelle oder ein Krater im Rasen auf ein Leck hinweist. Regner, die nicht mehr einfahren oder seitlich spritzen, haben oft einen Frostriss im Gehäuse. Zum Schluss Uhrzeit, Programme und Regensensor am Steuergerät prüfen und die Laufzeiten an das kühle Frühjahr anpassen: /deWie lange bewässern? Minuten pro Lauf nach Bodenart und Regnertyp, mit Fingerprobe und Tabelle.
Selbst machen oder machen lassen
Mit Entleerungsventilen dauert das Winterfestmachen eine halbe Stunde. Mit Kompressor ist es eine Stunde Arbeit, wenn das Gerät stimmt. Wer kein passendes Gerät leihen kann oder eine große Anlage hat, lässt das Ausblasen von einem Fachbetrieb machen; die Arbeitskosten zählen dann als Handwerkerleistung und mindern die Einkommensteuer um 20 Prozent der Arbeitskosten: /deWas kostet eine Gartenbewässerung? Material, Einbau, Wasser und Abwasser, Handwerkerbonus.
Und wer neu baut: Entleerungsventile an den Tiefpunkten und ein fester Anschluss für den Kompressor im Ventilkasten kosten beim Bau wenige Euro und sparen jedes Jahr Arbeit. Wie man Leitungen mit Gefälle und Tiefpunkten verlegt: /deBewässerungsrohre verlegen: wie tief, welches Rohr, Graben im bestehenden Rasen und Drucktest.
Häufige Fragen
Mit wie viel Druck bläst man eine Bewässerungsanlage aus?
Mit höchstens 3,5 bar, und nie mehr als die schwächste Komponente des Kreises verträgt. Wichtiger als der Druck ist die Luftmenge: Ein Kompressor für die Bewässerung sollte 200 bis 400 Liter pro Minute liefern. Kleine Heimwerkerkompressoren schieben das Wasser nicht ganz heraus; viele Fachhändler verleihen geeignete Geräte.
Kann man Versenkregner im Winter im Boden lassen?
Ja. Versenkregner bleiben eingebaut; entscheidend ist, dass Leitungen und Gehäuse vor dem Frost weitgehend leer sind, durch Schwerkraftentleerung oder Ausblasen. Nur oberirdische Teile wie Hähne, Filter, Rückflussverhinderer und Pumpen brauchen zusätzlichen Schutz.
Wann macht man die Bewässerungsanlage winterfest?
Vor dem ersten Frost, in weiten Teilen Deutschlands im Oktober oder Anfang November, in höheren Lagen früher. Die Rasenbewässerung wird im Herbst ohnehin kaum noch gebraucht; besser eine Woche zu früh als eine Frostnacht zu spät.
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Technischer Hinweis: Die Angaben zum Ausblasen (höchstens 3,5 bar, 200 bis 400 L/min Luftleistung) folgen den Anleitungen deutscher Bewässerungsfachhändler; maßgeblich sind immer die Herstellerangaben der eingebauten Teile. Druckluft ist gefährlich: Schutzbrille tragen, nie über einen Regner beugen, Personen fernhalten. Arbeiten an der Hausinstallation und am Hausanschluss gehören in die Hände eines Fachbetriebs.